DMA-Auflage: EU verpflichtet Google, Android für KI-Assistenten zu öffnen

Warum wichtig
„Neue Systemzugriffe für KI-Apps erfordern strengere Mobile-Policies und Datenschutzkontrollen. Unternehmen müssen Assistenten-Auswahl, Rechtevergabe und Compliance neu ausrichten.“
Facebook profile lock screen on a smartphone

Die EU-Kommission verpflichtet Google im Rahmen des Digital Markets Act (DMA), konkurrierenden KI-Assistenten deutlich mehr Zugriff auf Android zu gewähren. Zusätzlich muss Google ab Januar 2027 bestimmte Suchdaten mit Wettbewerbern teilen. Google und Apple warnen vor Sicherheits- und Datenschutzrisiken.

Was die EU vorgibt

Der DMA soll seit 2023 den Wettbewerb gegenüber großen Digitalkonzernen stärken. Laut den Leitlinien der EU-Kommission muss Google konkurrierenden KI-Assistenten bis Juli 2027 einen deutlich erweiterten Zugriff auf Android-Funktionen einräumen – ähnlich wie beim hauseigenen Dienst Gemini. Nutzerinnen und Nutzer sollen beispielsweise auch ChatGPT per Sprachbefehl systemweit verwenden können. Zudem ist Google verpflichtet, ab Januar 2027 bestimmte Suchdaten mit konkurrierenden Suchmaschinen und KI-Anbietern zu teilen, um die Entwicklung konkurrenzfähiger Dienste zu ermöglichen. Der europäische Markt umfasst rund 427 Millionen Android- und iOS-Geräte (Omdia). Teresa Ribera betonte: „Unsere Entscheidung wird kleineren Wettbewerbern … helfen …, während gleichzeitig die Privatsphäre der Nutzer geschützt wird.“

Reaktionen und Datenschutzbedenken

Google und Apple kritisieren die Vorgaben als Risiko für Gerätesicherheit und Datenschutz. Google-Manager Kent Walker warnt, dass externen Apps sensible und weitreichende Berechtigungen ohne ausreichende Schutzmaßnahmen gewährt würden; auch die Weitergabe von Suchdaten gefährde Datenschutz, Geschäftsgeheimnisse und nationale Sicherheit. Android-Chef Sameer Samat nennt die EU auf dem falschen Weg und verweist darauf, dass der Standardassistent heute schon in den Einstellungen änderbar sei. Apple sieht ähnliche Risiken, da virtuellen Assistenten direkter Zugriff auf private Daten gewährt werden könnte. Die EU hält dagegen, Gatekeeper dürften weiterhin angemessene Schutz- und Integritätsvorkehrungen treffen.

Wettbewerbseffekte und Risiken

Marktforscher Omdia erwartet Vorteile insbesondere für OpenAI: ChatGPT ist bereits auf etwa 30 Prozent der EU-Smartphones installiert. Erhalten alternative Assistenten denselben Android-Zugriff wie Gemini, könnte sich dieser Vorsprung ausbauen – mit der Folge, dass die Regeln einen etablierten Anbieter stärken. Zugleich wächst das Risiko missbräuchlicher oder fehlerhafter Berechtigungsnutzung: Michael Stokes (Veilant) warnt vor möglichem Zugriff auf Nachrichten, Standort, Bildschirm oder Mikrofon. Expertin Calli Schroeder (EPIC) mahnt, die Motive der Tech-Konzerne kritisch zu prüfen und mehr Transparenz über Risiken für Nutzerinnen und Nutzer zu schaffen. Google verweist zudem auf Gerätehersteller wie Samsung, die über Systemberechtigungen entscheiden und deren Sicherheit prüfen sollen.

Fazit

Für den europäischen KI-Markt markiert die DMA-Umsetzung einen Wendepunkt: Systemassistenten werden diverser, Integrationen auf Smartphones breiter – und damit die Auswahl für Anwenderinnen und Anwender größer. Mittelständische Unternehmen profitieren potenziell von neuen Assistenten-Optionen, etwa wenn Sprach- und Chatfunktionen näher an Systemfunktionen rücken und Arbeitsabläufe auf Mobilgeräten effizienter werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Compliance: Weitreichende Berechtigungen für KI-Apps vergrößern die Angriffsfläche, erschweren die Kontrolle von Datenflüssen und verlangen klare Richtlinien zur Nutzung. Der angekündigte Datenaustausch ab 2027 kann Wettbewerb beleben, stellt Unternehmen aber vor Fragen zur Datenweitergabe, Vertraulichkeit und Lieferantenauswahl. Unklar bleibt, ob die Regeln tatsächlich Vielfalt fördern oder bestehende Marktführer weiter stärken. Sicher ist: Unternehmen müssen ihre Mobile-Strategie und Assistenten-Policies aktualisieren, Berechtigungskonzepte schärfen und Transparenz gegenüber Beschäftigten erhöhen. Im Zusammenspiel von KI, Digitalisierung und Datenschutz wird Governance zum Differenzierungsmerkmal – wer früh klare Leitplanken setzt, kann neue Funktionen nutzen, ohne Sicherheits- und Compliance-Risiken zu erhöhen.

Handlungsempfehlung

  • Mobile-Richtlinien aktualisieren: Standard-Assistenten, Berechtigungen und Datenzugriffe in MDM/EMM präzise festlegen und regelmäßig prüfen.
  • Risikoprüfung für KI-Apps etablieren: Vor dem Rollout Berechtigungen, Logging, Support-Prozesse und Notfallpläne bewerten.
  • Lieferantenvergleich starten: Alternative KI-Assistenten auf Datenschutz, Funktionsumfang und Integrationsfähigkeit mit Android prüfen.
  • Schulungen durchführen: Mitarbeitende zu Sprachbefehlen, Bildschirm- und Mikrofonfreigaben sowie sicherem Umgang mit KI-Apps sensibilisieren.
  • DMA-Zeitplan beobachten: Anpassungen bis Januar/Juli 2027 einplanen und Änderungen von Google/Apple in die Roadmap aufnehmen.

Beitragsbild: Smartupworld / Unsplash

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Dirk Lickschat – Herausgeber von MarketingTicker
Dirk Lickschat

Herausgeber von MarketingTicker. Berät seit über 20 Jahren Unternehmen in Google Ads, LinkedIn, KI und WordPress – jede Einschätzung im Ticker stammt aus dieser Praxis. Mehr zur Redaktion →

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