EU-Zollgebühr ab 3 Euro: Temu und Shein passen Lieferketten an

Warum wichtig
„Plattformen verlagern auf EU-Konsolidierung und bleiben wettbewerbsstark. Mittelständler müssen Preise, Logistik und Compliance kurzfristig nachschärfen.“
Cargo plane being loaded at an airport tarmac.

Seit dem 1. Juli erhebt die EU auf Bestellungen unter 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten eine pauschale Zollgebühr von drei Euro je Warengruppe. Ziel ist mehr Chancengleichheit im europäischen Handel. Doch laut DHL und dem Airport Leipzig/Halle sind nur kurzfristige Effekte zu erwarten, weil große Plattformen wie Temu und Shein ihre Lieferketten anpassen.

Die neue Abgabe im Überblick

Für Warenbestellungen mit einem Wert unter 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten gilt eine pauschale Zollgebühr von drei Euro je Warengruppe. Die Regelung soll den Wettbewerb mit europäischen Anbietern stärken und für fairere Bedingungen sorgen.

Wie Händler reagieren

Nach Angaben der DHL Group führen größere Onlinehändler Waren zunehmend gebündelt in die EU ein, verzollen diese regulär und verteilen sie anschließend innerhalb Europas. Einige setzen diese Logistikmodelle bereits um. Ob und wie stark sich die neuen Regeln auf die Sendungsmengen auswirken, lasse sich wenige Tage nach dem Start noch nicht belastbar sagen, so DHL.

Laut DHL läuft nur ein kleiner Teil der Bestellungen von Plattformen wie Temu oder Shein über das Express-Drehkreuz Leipzig. Viele Waren gelangen per Seeschiff oder über Lager in Polen und Tschechien nach Europa. Das DHL-Drehkreuz ist vor allem für zeitkritische Expresssendungen ausgelegt.

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Leipzig/Halle: kurze Delle, E-Commerce wächst

Der Flughafen Leipzig/Halle rechnet kurzfristig mit einem Rückgang des Frachtvolumens im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Mittelfristig dürften sich die Lieferketten anpassen, indem Waren vermehrt gesammelt in die EU eingeführt und von dort an Kundinnen und Kunden verteilt werden. Zugleich gewinnt der Onlinehandel aus China am Standort an Bedeutung: Mit Shaoke und QT Logistics haben sich zwei auf den grenzüberschreitenden E-Commerce spezialisierten Logistiker angesiedelt.

Marktentwicklung: Plattformanteile steigen

Nach Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (Bevh) entfielen im zweiten Quartal 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze in Deutschland auf Temu, Shein und Aliexpress – so viel wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legten die Plattformen um mehr als 20 Prozent zu.

Handel fordert stärkere Marktüberwachung

Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßt die neue Zollgebühr als „ein sinnvolles Signal für mehr Chancengleichheit im europäischen Handel“. Sie allein verhindere jedoch nicht, dass unsichere Produkte, falsch deklarierte Waren oder Verstöße gegen europäische Verbraucher-, Umwelt- und Produktsicherheitsstandards in den Binnenmarkt gelangen. „Die Zollgebühr gleicht lediglich einen finanziellen Wettbewerbsnachteil aus, sie kann eine wirksame Marktüberwachung nicht ersetzen“, sagt der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Wie sich die Regeln auf das Bestellverhalten auswirken, bleibt abzuwarten.

Fazit

Die pauschale EU-Zollgebühr von drei Euro je Warengruppe setzt ein politisches Signal für faireren Wettbewerb – doch sie dürfte den Boom der China-Plattformen nur begrenzt bremsen. Das belegen die aktuellen Bevh-Daten und die Einschätzungen von DHL sowie des Flughafens Leipzig/Halle: Große Händler reagieren schnell, bündeln Sendungen, verzollen zentral in der EU und verteilen danach innerhalb des Binnenmarkts. Kurzfristige Volumendellen sind möglich, mittelfristig ist jedoch mit angepassten Lieferketten zu rechnen. Für den europäischen Handel bedeutet das: Der reine Kostenausgleich durch die Gebühr verbessert die Ausgangslage, ersetzt aber keine effektive Marktüberwachung bei Produktsicherheit, Deklaration und Compliance. Mittelständische Anbieter profitieren dort, wo Transparenz- und Sicherheitsanforderungen zum Tragen kommen – insbesondere gegenüber Direktimporten mit unklarer Qualität. Gleichzeitig bleibt der Preisdruck hoch, weil Plattformen Logistik- und Importprozesse effizient umstellen. Im Kontext der weiteren Digitalisierung des Handels gewinnt die Fähigkeit, EU-konforme Prozesse, verlässliche Lieferzeiten und sichtbare Produktqualität zu bieten, an Gewicht. Entscheidend wird sein, Kosten- und Servicevorteile sauber zu kommunizieren und regulatorische Anforderungen konsequent einzuhalten.

Handlungsempfehlung

  • Preis- und Versandkostenstruktur prüfen: Kleinbestellungen, Retouren und Zollabwicklung kalkulatorisch sauber abbilden und Kunden transparent kommunizieren.
  • Fulfillment-Strategie vergleichen: Eigenes EU-Lager, 3PL-Partner oder Konsolidierungslösungen bewerten, um Lieferzeiten und Kosten zu optimieren.
  • Compliance stärken: Produktkennzeichnung, Sicherheits- und Umweltnormen konsequent prüfen; Nachweise für Marktplätze und Kontrollen bereithalten.
  • Wettbewerbsmonitoring etablieren: Bevh-Daten, Lieferzeiten und Preisniveaus der Plattformen regelmäßig tracken und die eigene Differenzierung schärfen.
  • Kundenversprechen fokussieren: Vorteile wie schnelle, verlässliche Lieferung, Service und Gewährleistung klar herausstellen.

Beitragsbild: Peaky_82 / Unsplash

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Dirk Lickschat – Herausgeber von MarketingTicker
Dirk Lickschat

Herausgeber von MarketingTicker. Berät seit über 20 Jahren Unternehmen in Google Ads, LinkedIn, KI und WordPress – jede Einschätzung im Ticker stammt aus dieser Praxis. Mehr zur Redaktion →

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