Girocard mit Vorautorisierung: Hotels und Autovermietungen können künftig auf Kreditkarte verzichten

Warum wichtig
„Ermöglicht Kautionen und Reservierungen per Girocard und senkt Kartengebühren. Mittelständler können Prozesse vereinfachen und Kreditkartenabhängigkeit reduzieren.“
person holding black and white electronic device

Die Girocard erhält eine Vorautorisierungs-Funktion. Damit könnten Hotels und Autovermietungen Kautionen und Reservierungen künftig ohne Kreditkarte abwickeln. Laut Branchenexpert:innen ist der Start in der ersten Jahreshälfte 2027 realistisch; Euro Kartensysteme und Payment Service Provider arbeiten an der Umsetzung.

Was die Vorautorisierung leistet

Bislang fehlte der Girocard die Funktion, Beträge nur zu reservieren, ohne sie sofort einzuziehen. Die Vorautorisierung trennt Authentifizierung und Autorisierung: Ein Betrag wird zunächst blockiert und erst später ganz oder teilweise belastet – oder gar nicht, etwa bei Kautionen. Das ist besonders sinnvoll, wenn die endgültige Summe noch nicht feststeht. Künftig kann diese Blockierung flexibler gehandhabt werden, sodass Kund:innen nicht unnötig viel Guthaben binden müssen.

Zum Vergleich: Kreditkarten konnten solche Reservierungen schon immer. Debitkarten – und damit auch die Girocard – buchten bisher häufig sofort ab und korrigierten gegebenenfalls nachträglich, wie es viele von Tankautomaten kennen.

Vorteile für Hotellerie, Autovermietungen und Gastronomie

Mit Vorautorisierung können Betriebe eine Reservierungsgarantie weniger eingreifend gestalten, ohne eine Anzahlung vorab einzuziehen. Für Hotels entfällt der Druck, bis zur Anreise Beträge einzubehalten. Autovermietungen können Kautionen blocken und erst bei Bedarf abrechnen. Auch in der Gastronomie eröffnet das Verfahren pragmatische Optionen für variable Rechnungsbeträge.

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Gebühren und Wettbewerb

Ein weiterer Effekt betrifft die Kosten: Für Buchungen nutzten Kund:innen bislang häufig Kreditkarten – diese sind für Händler:innen in der Regel um rund ein halbes Prozent oder mehr teurer, da Ausfallrisiken in die Gebühren eingepreist sind. Mit der neuen Funktion der Girocard entsteht hier Konkurrenz für Kreditkartenanbieter wie Mastercard und Visa, weil bisher kreditkartentypische Anwendungsfälle auf die Girocard wandern könnten.

Zeitplan und Umsetzung

Hinter den Kulissen sind Anpassungen bei Euro Kartensysteme als Betreiber des Girocard-Systems sowie bei Netzbetreibern, PSPs und Banken nötig. Nach Angaben aus dem PSP-Umfeld wird ein Start in der ersten Jahreshälfte 2027 erwartet. Mit einigen Großkunden laufen bereits Gespräche, um Anforderungen und Erfahrungen in die Umsetzung einfließen zu lassen.

Fazit

Die geplante Vorautorisierung der Girocard ist ein struktureller Schritt im deutschen Zahlungsverkehr. Sie adressiert ein praktisches Problem an der Kundenschnittstelle und schafft zugleich Kostenvorteile für Unternehmen, die bislang auf Kreditkarten angewiesen waren. Insbesondere Hotellerie, Autovermietungen und Gastronomie profitieren, weil sie Reservierungen und Kautionen künftig ohne unmittelbare Abbuchung handhaben können. Für Kund:innen bedeutet das weniger gebundenes Guthaben und mehr Transparenz bei noch variablen Endbeträgen.

Für mittelständische Betriebe ist die Neuerung ein Baustein der fortlaufenden Digitalisierung am Point of Sale. Prozesse rund um No-Show-Absicherung, Kautionsmanagement und spätere Nachbelastungen lassen sich standardisieren und in bestehende Kassen- sowie Reservierungssysteme integrieren. Gleichzeitig verschiebt sich das Gleichgewicht im Gebührenmix zulasten teurer Kreditkartenfälle – ein relevanter Hebel in margenschwachen Branchen. Kreditkartenanbieter müssen ihre Position in diesen Use Cases neu justieren.

Da die Einführung laut Branchenexpert:innen frühestens in der ersten Jahreshälfte 2027 zu erwarten ist, bleibt Zeit für Vorbereitung. Entscheidend wird sein, wie schnell Netzbetreiber, PSPs und Banken die Funktion in Terminals, E-Commerce-Schnittstellen und Backoffice-Prozesse bringen. Unternehmen sollten Roadmaps ihrer Dienstleister aktiv einfordern, Testläufe einplanen und buchhalterische Abläufe auf Blockierungen und spätere Belastungen ausrichten. Vorautorisierung fügt sich damit in den breiteren Trend zu flexiblen, digital steuerbaren Zahlungsprozessen ein.

Handlungsempfehlung

  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem PSP und Netzbetreiber, ob und wann Vorautorisierungen mit Girocard in Terminals und Online-Zahlungen unterstützt werden.
  • Prüfen Sie Ihre Gebührenstruktur und Verträge: Kalkulieren Sie mögliche Einsparungen gegenüber Kreditkartenfällen und passen Sie Preis- und Stornobedingungen an.
  • Standardisieren Sie Prozesse für Kautionen und variable Endbeträge (z. B. bei Schäden, Minibar, Tankregelungen) inklusive Freigabe- und Nachbelastungsabläufen.
  • Schulen Sie Teams an Rezeption, Counter und im Backoffice zu Vorautorisierung, Freigaben, Buchhaltung und Kundenkommunikation.
  • Planen Sie Tests in Pilotstandorten und aktualisieren Sie AGB, Bestätigungen und Check-in/Check-out-Kommunikation zur transparenten Darstellung von Blockierungen.

Beitragsbild: Towfiqu barbhuiya / Unsplash

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Dirk Lickschat – Herausgeber von MarketingTicker
Dirk Lickschat

Herausgeber von MarketingTicker. Berät seit über 20 Jahren Unternehmen in Google Ads, LinkedIn, KI und WordPress – jede Einschätzung im Ticker stammt aus dieser Praxis. Mehr zur Redaktion →

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